
Sachsen – Eines der kleinsten und nördlichsten Weinanbaugebiete Europas
Vor reichlichen 900 Jahren wurden im klimagünstigen Elbstromtal um Dresden an den geschützten Südhängen die ersten Reben gepflanzt. Fränkische Siedler, Kirchen und Klöster haben den Weinbau hierher gebracht. Schnell fand der Wein in dem lockeren und warmen Felsverwitterungsboden eine neue Heimat. Die Blüte des Weinbaues lag im 17.Jh. mit ca. 6000 ha, bedeutende Rebflächen gab es bis Senftenberg und Cottbus - Guben.Folgende Sorten sind z.B. aus einer Niederschrift von 1563 bekannt: Traminer, Muskateller, Malvasier, Rheintal Ruländer, sowie der Mischwein Schieler. Die heutigen Terrassenmauern waren damals noch unbekannt, der Anbau erfolgte an leichten Hängen. Bis 1570 war der Wein in Kirchenhand und ging danach in Kurfürstlichen Besitz über. Es wurden viele neue (Hangflächen) aufgerebt.
Um 1603: Weißburgunder, Elbling, Feldliner, Gutedel und Lindauer. Ab 1617 erfolgte eine Neuausrichtung im Weinbau und man übernahm den sogenannten „Württenbergischen Anbau“), mit der Anlage von Bruchsteinmauern (Terrassen). Durch veränderte klimatische Bedingungen ging der Weinbau in der Flachlage immer mehr zurück. Weitere Gründe sind neben den modern werdenden Konkurrenzprodukten, wie Bier und süße Importweine, auch die fortschreitende Industrialisierung und die Wohnbebauung. Um 1839 existierte noch eine Rebfläche von 1645 ha.
Um 1900 kam durch die Reblaus der adlige Weinanbau (französische Sorten) fast völlig bis auf 524 ha zum Erliegen. Bäuerlicher Anbau (Reiserfortpflanzung) war nicht betroffen. Ebenfalls wurden der falsche und der echte Mehltau mit eingeschleppt. Erst ab 1907 fing man mit Neuzüchtungen (Pfropfreben) auf reblausfester amerikanischer Unterlage wieder an aufzureben. Trotzdem wurden auch nach der Reblauskatastrophe aus wirtschaftlichen bzw. klimatischen Bedingungen noch viele Flächen aufgegeben. So war der Tiefststand 1934 mit 110 ha erreicht.
Heute hat Sachsen wieder 455 ha (=0,4% der deutschen Rebfläche) mit einem Ertrag im Jahr: 1999 = 58hl/ha; 2001 = 33hl/ha. 2004 wurden 21.041 Hektoliter geerntet. Der Durchschnittsertrag liegt bei 16.000 hl. Diese Zahl schwankt wegen der hohen Ertragsunsicherheit durch Spätfrosteinfluss.
An den Hängen entlang der Elbe zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz sowie den unterelbischen Nebentälern bei Cossebaude und im Elbe-Elster-Kreis im Gebiet um Jessen und Schlieben werden heute ca. 25 weiße und ca. 14 rote Rebsorten sortenrein ausgebaut. (99 Sorten sind in der Bundessortenliste zugelassen, weitere 36 Sorten haben Bestandsschutz, bzw. sind Neuzüchtungen – Stand: 2005))
94% aller Weine sind trocken ausgebaut (vgl. in Deutschland nur 37%) und 83% der Weine sind „Qualitätswein bestimmtes Anbaugebiet“ kurz Q.b.A.
Jahresdurchschnittstemperatur: 9,1°C Jahresmitte, 1600h Sonnenstunden, Regen / Jahr: 600 – 700 mm
Höhe: 95m bis 280 über N.N. (Radebeuler Spitzhaus 237m über N.N.)
Sachsen hat 2 Bereiche: Meißen und Elstertal
- 4 Großlagen: Seußlitzer Schlossweinberg, Meißner Spaargebirge, Radebeuler Lößnitz und die Dresdner Elbhänge
- 15 Einzellagen: z.B. die Superlage „Goldener Wagen“ in der Radebeuler Lößnitz
Sind die Rebflächen entlang der sächsischen Weinstraße auch nicht so ausgedehnt wie an Rhein und Mosel, die Landschaft hat ihren eigenen unverwechselbaren Charakter und Reiz. Hier wurde noch keine großflächige Flurbereinigung durchgeführt, hier wurden noch keine Straßen als Betongürtel um die Weinberge geschlungen. Ein Teil der Weinberge ist noch erlebbar wie zu Urgroßvaters Zeiten.
Da sich die Rebflächen vorwiegend auf Steil- und Terrassenlagen (226 ha) von 10 bis zu über 30% Hangneigung befinden, ist hier Winzerarbeit mit kostenintensiver Handarbeit gleichzusetzen. Nur 22% der Rebfäche kann maschinell bearbeitet werden.
Heute gilt sächsischer Wein nicht nur wegen der geringen Menge als Rarität, auch sein spezifischer Geschmack wird von Liebhabern trockener Weine sehr geschätzt. Immer mehr Weine werden in der typischen braunen Sachsenflasche, auch „Sachsenkeule“ genannt, verkauft. Die ersten Sachsenflaschen kamen 1931 aus dem Staatsweingut Hoflößnitz in Radebeul, damals in grüner Farbe und mit 0,7 l Inhalt.
Durch die große Sortenvielfalt in einem so kleinen Gebiet werden die kleinen Mengen an Weinen kaum über große Handelsketten vermarktet. (Ausnahmen sind Landweine und Aktionswochen) Dadurch muss der Wein nicht „Handelskonform“ gemixt werden sondern kann sortenrein und naturbelassen auf die Flasche gefüllt werden. Die größte Menge wird in Sachsen selbst vermarktet sowie in die gehobenere Gastronomie verkauft.
In Sachsen teilen sich 3600 Nebenerwerbswinzer und 28 Betriebe (davon 3 Großbetriebe) die Arbeit. Die Winzergenossenschaft Meißen hat sich 1938 in Radebeul in der Hoflößnitz gegründet und hat heute ca. 1600 Mitglieder (45% aller Winzer), die 150 ha Rebfläche bewirtschaften. In den Kellern der WG können bis zu 3 Millionen Liter Wein ausgebaut und gelagert werden. Die WG erhielt 1997 als erster und bisher einziger Weinbaubetrieb in den neuen Bundesländern ihre Zertifizierung nach DIN EN ISO 9002 für ihr geprüftes Qualitätsmanagements- und Qualitätssicherungs- System.
Am 15. Juni 2000 wurde der Winzergenossenschaft Meißen als erster Betrieb in den neuen Bundesländern der Ehrenpreis des Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten anlässlich der DLG- Bundesweinprämierung 2000 verliehen.
Der Sortenspiegel für Sachsen bei der Ernte im Jahr 2004 = 449,1708 ha, davon in Ertrag z. Z.: 426,91 ha = 95,05%:
Weißweinsorten in Sachsen - 358 ha
Rotweinsorten in Sachsen - 68 ha = 13 %
